deutsche Kreisverkehre
Liebe Kurzgeschichten leser.
Axel Schwaigert hat meine Kurzgeschichten gelesen und Sören Kunze hat in dabei gefilmt. Diese Filme können sie sich ab sofort auf meinem Youtube Kanal anschauen.

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Geschichte 11: Zusammen leben

Judith und Isabelle sind jetzt schon ein halbes Jahr ein Paar. Sie verstehen sich prima. Das Zusammenleben war nicht immer einfach. Fachsenfeld ist eben keine Großstadt sondern nur ein kleines Dorf. Am Anfang war es nicht einfach für die beiden, die Leute im Ort sprachen über sie, wechselten schon mal die Straßenseite wenn sie kamen und die Gespräche verstummten sobald sie einen Raum betraten. Zum Glück hat sich das mittlerweile gelegt und die Menschen haben gesehen, dass die beiden nach wie vor Judith und Isabelle sind, die viele im Ort schon seit ihrer Kindheit kennen. Es sind immer noch die beiden netten und hilfsbereiten Nachbarinnen wie seither auch, nur dass sie jetzt eben zusammenleben und ein Paar sind. Isabelle träumt schon seit sie 6 Jahre alt war davon, dass wenn sie einmal heiratet, dass es ein großes Fest mit Kirche, langer Schleppe, Kutsche und allem was dazugehört, sein soll. Als Judith ihr letzte Woche einen Antrag gemacht hat, setzte ihr Herzschlag einen Moment aus. Sie war überglücklich. Aber jetzt, als es an die Hochzeitsvorbereitungen geht, stellen sie fest, dass es nicht so einfach wird, wie sie sich das vorgestellt hatten. Jetzt hat Fachsenfeld zwar zwei große Kirchen, aber weder der Katholische noch der Evangelische Pfarrer sind bereit, die beiden zu trauen. Na vielleicht können ja die Mädels von LezBeee weiterhelfen. Zu LezBeee (www.lez-beee.de) sind sie durch eine Kleinanzeige in einem Veranstaltungsmagazin gekommen. Es handelt sich um eine Interessengemeinschaft Lesbischer Frauen in Schwäbisch Gmünd. Leider wusste auch dort keine eine Lösung. Allerdings meinte eine, dass am Wochenende der CSD in Stuttgart ist, und sich dort sicher jemand finden lässt, der euch weiterhelfen kann. Als wir dann am Samstag nach Stuttgart fuhren und uns den Umzug ansahen, waren wir überrascht, wie viele Leute da sind und ein tolles Fest feiern. Eine Gruppe sah fast so aus, als ob sie Mönche wären, allerdings waren ihre Kutten bunt und nicht braun. Einer der Umstehenden hat zufällig unsere Unterhaltung mitbekommen und meinte, dass es sich bei denen mit den bunten Kutten um Mitglieder einer Kirche handelt. Leider wusste er den Namen der Kirche nicht, war sich aber sicher, dass die auch am Sonntag bei der Aids-Hocketse einen Stand haben. Das war doch schon mal was, eine Kirche die beim CSD mitläuft, kann doch sicher auch eine Trauung durchführen. Gut gelaunt genossen Isabelle und Judith den Rest des Umzuges. Am nächsten Tag machten sie sich bereits am Vormittag auf den Weg nach Stuttgart. Sie parkten in Cannstatt und gingen über die alte Holzbrücke über den Neckar und spazierten dann durch den Rosensteinpark und den Schlossgarten nach Stuttgart zur Hocketse. Als sie in der Stadtmitte angekommen waren, trauten sie ihren Augen nicht. Unmengen von Menschen und Ständen, wie sollten sie da den Stand der Kirche finden. Es half alles nichts, also los geht's. Sie schlenderten durch die Massen und hätten fast den kleinen Stand übersehen, aber sie hatten die bunten Kutten erkannt. Sie hatten Glück und sprachen gleich den richtigen an, Pfarrer Axel Schwaigert. Der freute sich riesig, als Judith und Isabelle ihm von ihrer Trauung berichteten, denn eine Trauung kommt halt doch eher selten vor. Er erklärte ihnen, dass er sehr gerne bereit ist, die Trauung durchzuführen. Außerdem erzählte er auch von der Kirche und freute sich, als Judith und Isabelle sagten, dass sie nächsten Samstag in den Gottesdienst kommen wollten. Da der Stand gut besucht war, verblieben sie so, dass sie weitere Details ja am Samstag nach dem Gottesdienst besprechen könnten. Überglücklich fuhren die beiden wieder heim. Eng aneinander gekuschelt schliefen sie mit einem zufriedenen lächeln ein und träumten von ihrer Hochzeit. Am Samstag machten sie sich zeitig auf den Weg nach Stuttgart. Zum Glück hatten sie sich kurz vorher ein Navigationssystem gekauft. Eine freundliche Stimme lotste sie durch Stuttgart in die Silberburgstraße. Sie parkten den Wagen und gingen Händchenhaltend den Berg hoch und suchten die Kirche. Als sie am Ende der Silberburgstraße angekommen waren sahen sie sich verwundet an, konnte das sein, eine Kirche kann man doch nicht übersehen. Also gingen sie wieder zurück und entdeckten dann auch wie Pfarrer Axel in ein Gebäude ging. Als sie näher kamen sahen sie auch das Schild, hier waren sie richtig, "MCC Gemeinde Stuttgart", das war die Kirche von der Pfarrer Axel letzte Woche erzählt hat. Aber da war keine Kirche, da war ein Altersheim. Das konnte doch nicht sein. Wer will denn schon in einem Altenheim heiraten? Wie müssten sie sich das vorstellen, fünfzig alte sabbernde Leute stehen in ihren Pflegebette Spalier? Nun denn, da sie schon mal da waren, gingen sie auch hinein. Sie wurden von allen freundlich begrüßt und vom Gottesdienst selber waren sie positiv überrascht. Ganz anders als die Gottesdienste aus ihrer Jugend. Beim anschließenden Gespräch mit Pfarrer Axel äußerten sie ihre Enttäuschung darüber, dass es keine "richtige" Kirche war und dass sie unter keinen Umständen in einem Altenheim heiraten werden. Axel wurde leichenblass, was sollte er tun? Die Gemeinde hat nun mal diesen Raum gemietet. Natürlich hätte er auch lieber eine "richtige" Kirche mit großem Glockenturm und so, aber es ist halt nun mal eine kleine Gemeinde. Doch dann hatte Axel plötzlich eine Idee, zückte sein Handy und telefonierte kurz. Isabelle und Judith wollten schon gehen, als er ihnen Zeichen gab, noch kurz zu warten. Und es hat sich gelohnt. Er hat einen befreundeten Pfarrer angerufen und ihn gefragt, ob er sich seine Kirche ausleihen könne. Da sein Freund und Kollege volles Vertrauen zu Axel hat, sagte er ihm sofort zu. Als Axel diese frohe Botschaft Judith und Isabelle überbrachte, umarmten beide Axel spontan und mussten vor Freude weinen.

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